Durch die fortschreitende Entwicklung digitaler Speichermedien und die computergesteuerte Verarbeitung von Information stellt sich immer dringender die Frage nach der Bedeutung von Gedächtnis und Erinnerung. In dem Maße, wie Wissen von seiner Gebundenheit an Raum und Materie befreit wird, erhalten zum Beispiel Zugang und Verfügbarkeit einen besonderen Stellenwert. Das Archiv ist nach Jacques Derrida eine politische Kategorie, weil Struktur und Zugänglichkeit von Herrschaftsstrukturen abhängen. Auch das Selbstverständnis der Individuen wird von der Entwicklung beeinflusst, da die Formen gesellschaftlicher Erinnerung das individuelle Bewusstsein mitbestimmen. Insofern ist die künstlerische Arbeit von Arnold Dreyblatt von besonderem Interesse. Seine computergesteuerten Installationen kreisen um ein Hauptmotiv, das man als medialen Diskurs über das Erinnern bezeichnen könnte. Auf der Berliner Ausstellung »Das 20. Jahrhundert«, 1999, zählte Dreyblatts Installation im Hamburger Bahnhof zu den wichtigsten Beiträgen der Großveranstaltung. Er hatte in der Arbeit »Aus den Archiven« eine komplexe räumliche Metapher für das Gedächtnis gebaut, in der Besucher mit Fragen nach Geschichte, Biographie und Identität konfrontiert worden sind. Dreyblatt trat auch als Klangkünstler und Komponist hervor, u. a. mit einem eigenen Ensemble in New York. Das Buch gibt einen Überblick über sein bisheriges Werk.
Herausgeber: Judy Millar
Autoren: Claudia Banz, Ernest W. Uthemann, Jeffrey Wallen, Thomas Fechner-Smarsly
Künstler: Arnold Dreyblatt
Festeinband
17 x 24 cm
128 Seiten
33 Farb- u. 39 S/W-Abb.
mit DVD im PAL-Format
Deutsch/Englisch
Lieferbar
ISBN 978-3-933257-31-4
36 Euro
2003